Eichhörnchen Auf Ast

Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre

Wenn es draußen kälter wird und die Tage kürzer, bereiten sich der Wald und seine Bewohner auf den Winter vor. Die Bäume haben ihre Blätter weitgehend abgeworfen und den grünen Farbstoff – das Chlorophyll – fürs nächste Frühjahr in den Ästen eingelagert. Unsere Waldtiere legen jetzt Reserven für die kalte Jahreszeit an.

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Nahrung ist knapp in den vor uns liegenden Wintermonaten und unsere hessischen Wildtiere haben ganz unterschiedliche Strategien entwickelt, damit umzugehen. Viele heimische Arten fressen sich im Herbst eine wärmende Fettschicht an, wie beispielsweise Rehe und Hirsche. Auch ein Winterfell, mit einer Schicht wärmender Unterwolle, schützt vor Kälte, Frost und Schnee. Hessens Zugvögel, wie zum Beispiel der Schwarzstorch und der Rotmilan, verlegen ihren Wohnsitz in wärmere Gebiete der Erde.

Einige unserer tierischen Wald- und Gartenbewohner haben eine ganz entspannte Strategie entwickelt: sie verschlafen die kalten Tage einfach. Forstleute unterscheiden dabei zwischen Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre. Alle drei sind Zustände, in denen bestimmte Tierarten mithilfe gesenkter Körpertemperatur ohne zu Fressen überwintern. Woran Winterschläfer den Zeitpunkt für die Ruhephase erkennen, ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich geben der Jahresrhythmus und die „inneren Uhr“, hormonelle Umstellungen und die Tageslänge den Impuls zum Schlafen, außerdem vielleicht die immer kälter werdenden Temperaturen oder Nahrungsmangel. Winterschlaf halten in Hessen Igel, Siebenschläfer, Haselmäuse und Fledermäuse. Igel atmen statt 40 bis 50 Mal pro Minute noch ein bis zwei Mal und der Herzschlag verringert sich von 200 auf fünf Mal pro Minute. Ihre Körpertemperatur sinkt von 36 Grad auf ein bis acht Grad Celsius! Der Winterschlaf verläuft in verschiedenen Schlaf- und Wachphasen. Ob und wie aktiv Igel und Fledermäuse in den Wachphasen sind, hängt von den Umgebungsbedingungen ab. An milden Tagen, kann man einen Igel auch im Januar schon mal durch den Garten spazieren sehen. Zur Winterruhe legen sich Dachs, Eichhörnchen und Waschbären. Sie sind dabei immer wieder aktiv und geben Kot und Urin ab oder wechseln ihren Schlafplatz. In eine Winterstarre verfallen nur Reptilien und Amphibien, wie in Hessen beispielsweise die Gelbbauchunke. Wie der Begriff vermuten lässt, können die Tiere sich tatsächlich nicht mehr bewegen, denn ihre Körper passen sich der Umgebungstemperatur an.

Beinahe alle Waldtiere setzen im Winter ihre Lebensfunktionen auf Sparflamme. So verbrauchen sie weniger Energie, denn Nahrung ist knapp. Störungen von Winterschläfern können zum ungeplanten, energiezehrenden Aufwachen führen. Deshalb gilt es im Winter besondere Rücksicht auf unsere Waldtiere zu nehmen. Die meisten Winterschläfer ziehen sich in Höhlen oder Reisighaufen zurück und überwintern so ungestört. Gartenbesitzer können solche Strukturen gezielt durch Hecken, Gartenteiche sowie Stein- und Reisighaufen schaffen.

Im Wald können Waldbesucher auf das Ruhebedürfnis der Tiere Rücksicht nehmen, in dem sie auf den Waldwegen bleiben und Wegesperrungen der Forstleute beachten.

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