37 neue Forstwirtinnen und Forstwirte werden künftig für die Aufforstung, Pflege und Erhaltung der hessischen Wälder sorgen. Nach dreijähriger dualer Ausbildung bei „HessenForst“ im Kommunalwald oder in Privatbetrieben sowie am Forstlichen Bildungszentrum (FBZ) in Weilburg konnten die Auszubildenden nach bestandener Abschlussprüfung ihre Gesellenbriefe und Berufsschulzeugnisse in Empfang nehmen.
Zahlreiche Ausbilder, Lehrkräfte, Mitlieder des Prüfungsausschusses und Personalratsvertreter waren ebenso gekommen, wie Familienangehörige und Freunde der Auszubildenden, um ihnen einen würdevollen Rahmen für die Überreichung ihrer Urkunden zu bieten.
Dr. Hendrik Horn, der Leiter des FBZ, nutzte die Eröffnung, um allen Institutionen und Beteiligten zu danken, die zur Ausbildung und zum erfolgreichen Abschneiden der Lehrlinge beigetragen haben, dem Prüfungsausschuss, den Ausbildungsbetrieben, den Pädagogen der Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) Weilburg, mit der das FBZ im Rahmen der dualen Forstwirtausbildung kooperiert, sowie den Mitarbeitern des Forstlichen Bildungszentrums.
„Wenn man sich Ihre Ausbildung anschaut, wird schnell klar: Sie sind echte forstliche Alleskönner. Sie haben in der Holzernte gearbeitet, Maschinen bedient und selbst instandgesetzt, Bestände gepflegt, Natur- und Landschaftsschutz praktisch umgesetzt und parallel dazu in der Berufsschule das fachliche Fundament gelegt.“ Dr. Bernhard Graf von Finckenstein blickte auf das umfangreiche Ausbildungsprofil eines Forstwirts und würdigte die besondere Leistung der Auszubildenden. Das anspruchsvolle Ausbildungsprogramm beschreibe ziemlich genau, was die Absolventen nach ihrem erfolgreichen Abschluss sind: „Experten für den Wald“, betonte der Landesbetriebsleiter von „HessenForst“. Doch würden die Anforderungen an den Beruf stetig wachsen: „Der Klimawandel stellt uns dabei vor Aufgaben, die es so früher nicht gegeben hat. Dürrejahre, Stürme, neue Schadorganismen – all das sehen Sie direkt draußen im Bestand. Die Antwort darauf sind vielfältige, stabile Wälder, neue Baumartenmischungen und gut gepflegte Verjüngung. Dafür braucht es Menschen, die hinsehen – und vor allem anpacken! Sie werden künftig ganz konkret mit daran arbeiten, den hessischen Wald Schritt für Schritt an die neuen Bedingungen anzupassen.“
„Vor drei Jahren sind Sie zu uns gekommen wie junge Setzlinge: voller Kraft, aber noch ohne tiefe Wurzeln. Heute stehen Sie vor uns wie junge Eichen – fest verwurzelt in Ihrem Handwerk, gewachsen an jeder Aufgabe, gestärkt durch Wind und Wetter.“ Stefan Jeanneaux-Schlapp, der Schulleiter der Wilhelm-Knapp-Schule, blickte bildhaft auf die Entwicklung der Absolventen während ihrer Ausbildungszeit zurück. „Die Bäume, die durch Ihre Hände gehen, spenden erst unseren Kindern und Enkeln Schatten. Es gibt nicht viele Berufe, die so weit in die Zukunft wirken – und kaum einen, den unsere Zeit so dringend braucht. Der Wald leidet unter Trockenheit, Stürmen und dem Wandel des Klimas. Er braucht Menschen, die ihn verstehen, die ihn pflegen und die ihn für kommende Generationen erhalten. Genau diese Menschen sind Sie!“, unterstrich der Studiendirektor.
„Ihr habt einen ehrenwerten und interessanten, aber gleichzeitig auch gefährlichen Beruf erlernt!“ Frank Subtil, der Vorsitzende des Hauptpersonalrats beim hessischen Landwirtschaftsministerium, überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Personalrats. Der Personalratsvertreter äußerte die Hoffnung, dass die Jungforstwirte nach Abschluss ihrer guten Ausbildung dem Landesbetrieb die Treue halten. „Hinterlasst immer eine saubere Facharbeit, gebt immer ein klein bisschen mehr und haltet die Berufsehre hoch“, gab der Hauptpersonalratsvorsitzende den frisch gebackenen Forstwirten mit auf den Weg.
„Sie haben Prüfungen bestanden, Lehrgänge absolviert, bei Regen, Schnee und Eis, Hitze und auch bei Bedingungen gearbeitet, bei denen sich andere schon beim Blick aus dem Fenster wieder auf ihr Sofa gesetzt hätten,“ würdigte Marius Schubert, der stellvertretende Vorsitzende des Gesamtpersonalrats vom Landesbetrieb „HessenForst“, die Leistung der Absolventen. Der Beruf des Forstwirtes sei vieles, aber bestimmt nicht langweilig, resümierte der Personalratsvertreter, doch die Arbeit setze voraus, dass man sein Handwerk beherrscht, denn der Beruf verlange Können, Konzentration und Verantwortung. Die Arbeit im Wald verzeiht keine Fehler, stellte Marius Schubert heraus und betonte: „Kein Auftrag, kein Festmeter und keine Zahl auf irgendeiner Liste sind wichtiger als Ihre Gesundheit!“
Bevor er sich an die Prüflinge wandte, begann Christian Reiter, der amtierende Vorsitzende des Prüfungsausschusses, zunächst einmal mit Danksagungen. Besonders hob er vier Personen hervor: Die beiden Ausbildungsassistenten Noah Heinrich und Luca Möller, die ein Jahr lang sowohl das Ausbildungsteam als auch die Auszubildenden tatkräftig unterstützt haben. Weiterhin galt sein Dank „Klaus und Klaus“ – nicht zu verwechseln mit dem Musikduo gleichen Namens. Gemeint waren Klaus Bartling und Klaus Oesterling, die beide in den Ruhestand verabschiedet wurden. Dann richtete er seinen Blick auf die Auszubildenden. Er habe vor drei Jahren junge Menschen kennengelernt, die nicht nur optisch, sondern auch in ihren Meinungen, ihrem Auftreten, ihren Einstellungen und vielem mehr sehr vielfältig waren. Diese Personen mussten sich in den Ausbildungsjahren arrangieren und haben sich dabei gegenseitig geprägt und weiterentwickelt. Der Austausch und die Kommunikation laufe heutzutage vielfach über das Internet, geschützt durch die Anonymität von „Nicknames“. Das mache das Leben auf den ersten Blick leichter, sei aber sehr kurz gedacht, denn die gesellschaftlichen Auswirkungen sind bereits zu spüren. Es sei wichtig unterschiedliche Menschen und Gruppen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen, auch zur Bewahrung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. „Bleibt mit realen Menschen in Kontakt, im Gespräch, in Diskussionen, versetzt euch in andere Perspektiven und überlasst eurem digitalen Zwilling nicht das Feld – bleibt Menschen!“, appellierte Christian Reiter.
Annalena Gaßmann, die den Forstwirten als Vertreterin des Kollegiums des FBZ gratulierte, wählte eine bildhafte Darstellung: „Wer im Wald unterwegs ist, weiß: Kein Weg beginnt einfach irgendwo mitten im Wald. Wege entstehen nicht einfach so, sondern durch Planung, Arbeit und viele individuelle Entscheidungen. Als ihr eure Ausbildung begonnen habt, standet ihr am Anfang eines solchen Weges.“ Auf diesem Weg hätten die Auszubildenden gelernt, Verantwortung zu übernehmen – für ihre Mitmenschen, ihr Werkzeug, die eigene Sicherheit, das Team und schließlich auch für den Wald. Wenn Wege auch nicht immer gerade verlaufen, sei es wichtig, die Orientierung zu behalten, betonte Annalena Gaßmann.
„Nach Abschluss der Ausbildung liegt die berufliche Zukunft nun vor Ihnen“, gratulierte Dr. Hendrik Horn den neuen Forstwirten. Mit dem Abschluss der Ausbildung habe das Lernen jedoch kein Ende, sondern die wirklich wichtigen Lektionen kommen erst noch, verdeutlichte der Leiter des FBZ. Anschließend stellte Dr. Hendrik Horn noch einmal die Verantwortung und die Gefahren, die der Beruf mit sich bringt, in den Blickpunkt und betonte: „Vergessen Sie niemals, dass die größte Tugendhaftigkeit des Forstwirtes darin besteht, die Gefahren richtig einzuschätzen und im Zweifelsfall ‚Nein‘ zu sagen.“
Als Sprecher der Auszubildenden aus der Abschlussklasse 23 A blickte Moritz Hubertus Staffa auf die Jahre am FBZ zurück: „In der Zeit unserer Ausbildung hat jeder von uns seine eigenen Erfahrungen gemacht. Über eine solche Zeit miteinander auf dem Weg zu sein, heißt Höhen und Tiefen miteinander durchstehen und überwinden. Diesen Weg sind viele Menschen mit uns gegangen: Eltern, Klassenkameraden, aus denen Freunde wurden, Ausbilder, Kollegen, Lehrer. Ihnen allen galt sein Dank. Die Ausbildung sei zwar abgeschlossen, aber das richtige Lernen fange jetzt erst an, meinte der Schülersprecher und ergänzte: „Eine einmalig gut gefeilte Motorsägenkette schneidet nur so lange, bis sie auf den ersten Fremdkörper trifft. Dann heißt es nachfeilen.“ Leben und Lernen sei wie rudern gegen den Strom – wer aufhört zu rudern, treibt zurück. An seine Mitschüler gewandt sagte er: „Unsere Ausbildung zum Forstwirt hat uns nicht nur fachlich geprägt. Wir haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und auch bei Wind, Regen, Hitze oder Kälte unser Bestes zu geben.“
Der Wald kenne keinen Feierabend und kein perfektes Wetter. Loreen Bacher verdeutlichte als Vertreterin der Klasse 23 B wie anspruchsvoll die Arbeit der Forstwirte ist. „Wir wurden nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch perfekt auf unsere Tätigkeit vorbereitet“, betonte die Rednerin. Während der Ausbildung seien aus Kollegen Freunde geworden. „Wir haben gemeinsam viel erreicht und können stolz auf unseren Abschluss sein“, sagte die Schülerin abschließend.
Dann folgte die Übergabe der Prüfungszeugnisse und Verleihung der Forstwirturkunden inklusive des „Europäischen Motorsägenzertifikats“ der höchsten Stufe. Die beiden Klassenbesten, Lino Milas Hofmann (Durchschnittsnote 1,53) aus der Klasse 23 A und Finn Ammelung aus der 23 B, der mit seinem Mittelwert von 1,43 gleichzeitig auch Jahrgangsbester war, erhielten als Anerkennung für ihre herausragenden Leistungen beide eine Forstaxt mit persönlicher Gravur überreicht.
Als neue Forstwirte verabschiedet wurden:
Klasse 23 A (Klassenlehrer Astrid Weber, Dirk Mack, Dr. Andreas Böttig): Lena Bepler, Wettenberg (Gemeinde Wettenberg), Merle Bretting, Rotenburg (Forstamt Rotenburg), Ruslan Davletov, Rotenburg (Forstamt Rotenburg), Paula Döring, Romrod (Forstamt Burghaun), Lukas Grebenstein, Nentershausen (Forstamt Bad Hersfeld), Lino Milas Hofmann, Grünberg (Stadt Lich), Adrian Kolbe, Spangenberg (Forstamt Melsungen) Max Ludwig, Fritzlar (Forstamt Jesberg), Andre Macziejek, Koblenz (Stadt Herborn), Tim Neuhaus, Bischoffen (Gemeinde Lahnau), Sören Wolfgang Pokrzewinski, Tann / Rhön (Forstamt Fulda), Carl Iannis Schombert, Mücke-Merlau (Forstamt Romrod), Jonathan Sömmer, Herleshausen - Altefeld (Forstamt Hessisch Lichtenau), Valentin Sommerlade, Knüllwald (Forstamt Melsungen), Moritz Hubertus Staffa, Solms - Oberndorf (Magistrat der Stadt Wetzlar), Jonas Gideon Stark, Gemünden / Felda (Forstamt Romrod), Luca Steinberg, Willingshausen - Merzhausen (Forstamt Bad Hersfeld), Ronja Andrea Wende, Metzlos - Gehaag (Forstamt Jesberg) und Janis Paul Werner, Mittenaar (Gemeinde Wettenberg).
Klasse 23 B (Klassenlehrer Astrid Weber, Dirk Mack, Dr. Andreas Böttig): Finn Ammelung, Selters / Taunus (Forstamt Königstein), Loreen Bacher, Wölfersheim (Gemeinde Kefenrod), Paul Bendisch, Sinntal (Forstamt Jossgrund), Tobias Bruns, Bad König (Forstamt Beerfelden), Sky Kai Darmstädter, Alsbach - Hähnlein (Forstamt Lampertheim), Lukas Engel, Bad Homburg vor der Höhe (Stadt Frankfurt am Main), Mika Heid, Bad Soden Salmünster (Forstamt Jossgrund), Jonas Herweh, Lampertheim (Forstamt Lampertheim), Julian Hess, Wiesbaden (Forstamt Wiesbaden-Chausseehaus), Jan-Niclas Kipper, Gedern (Forstamt Schotten), Kai Albrecht Kühnel, Oberursel (Forstamt Königstein), Ghenadie Macari, Frankfurt am Main (Stadt Frankfurt am Main), Hannah Maul, Riedstadt (Forstamt Lampertheim), Maximilian Rank, Bad Camberg (Forstamt Weilmünster), Ben Wachtel, Offenbach am Main (Forstamt Dieburg), Silas Weldert, Heidenrod (Gemeinde Heidenrod) und Lennart Zimmermann, Nidda (Stadt Ortenberg).
Ehrungsbild:
Hintere Reihe von links: Anne Lawall-Schaad (Mitarbeiterin der „Zuständigen Stelle“ am FBZ), Dr. Bernhard Graf von Finckenstein (Landesbetriebsleiter von „HessenForst“), Dr. Hendrik Horn (Leiter des Forstamts Weilburg mit FBZ), Stefan Jeanneaux-Schlapp (Schulleiter der WKS), Christian Reiter (Prüfungsausschussvorsitzender), Annalena Gaßmann (Vertreterin des Kollegiums am FBZ), Marius Schubert (stellvertretender Vorsitzender des Gesamtpersonalrats von „HessenForst“) und Frank Subtil (Vorsitzender des Hauptpersonalrats im hessischen Landwirtschaftsministerium). Vordere Reihe von links: Finn Ammelung (Jahrgangsbester) und Lino Milas Hofmann (Klassenbester 23 A).