Arten und Habitatpatenschaften

Wir sind mit dem Förster draußen im seinem Revier unterwegs - er hält an einem kleinen Teich am Rande einer Waldwiese. Er kommt, um den Fahrer des Baggers zu verabschieden, der dort gearbeitet hat. Der Fahrer packt gerade seine Werkzeuge zusammen für die Weiterfahrt. Doch was macht überhaupt ein Bagger im Wald? Wer den Blick über die Wiese schweifen lässt sieht: dort ist ein großes Loch entstanden.

"Wir haben hier in den letzten Tagen einen neuen Teich angelegt" erzählt der Förster stolz. Damit unterstützen wir unsere Patenart, den Schwarzstorch. Der scheue Waldbewohner fliegt von seinem großen Nest im Wald los und sucht nach Wasserstellen, an denen er zum Beispiel Frösche fangen kann. "Da, wo bisher nur eine kleine Pfütze in einem Erdloch zu sehen ist, wird sich in den nächsten Monaten ein neuer Lebensraum für viele verschiedene Arten entwickeln".

Die Patenschaften unserer Forstämter

Der Schwarzstorch ist nur eine von 59 Arten, die von den hessischen Forstämtern als Artpatenschaften ausgewählt wurden. Wie beim neuen Teich bei unserem Förster werden diese Arten mit besonderen Maßnahmen und Projekten gefördert. Und nicht nur bestimmte Arten bekommen diese besondere Aufmerksamkeit: Auch für 22 besondere Habitate und Lebensräume werden solche Maßnahmen durchgeführt. Jedes der 39 Forstämter des Landesbetriebs HessenForst hat Art- und Habitatpatenschaften ausgewählt.

ForstamtArtpatenschaftHabitatpatenschaft
Bad HersfeldSchwarzstorch, WildkatzeWaldwiesen, Streuobstwiese
Bad SchwalbachSchwarzstorchWaldbäche, Steinbrüche
BeerfeldenÄskulapnatter, Prächtiger DünnfarnBlockhalden
BiedenkopfFeuersalamander, Mopsfledermaus, WaldschnepfeStollen und Höhlen, Waldbäche
BurghaunKreuzotter, Elsbeere, HaselmausWaldränder
BurgwaldSonnentau, Schmalblättriges Wollgras, Raufußkauz, SperlingskauzMoore
DarmstadtEremit, Braunes LangohrLösswände an Hohlwegen, Waldränder
DieburgLaubfrosch, Waldschnepfe, GelbbauchunkeSukzessionsflächen
Frankenberg-VöhlMopsfledermaus, ArnikaWaldwiesen, Waldbäche
FuldaKreuzotter, Schwarzstorch, EisvogelStillgewässer
Groß-GerauWildobst, Schwarzmilan, WiedehopfAuenwälder
Hanau-WolfgangEisvogel, FlatterulmeStillgewässer
HerbornGelbbauchunke, Gestreifte QuelljungferStillgewässer
Hessisch LichtenauBrauns Schildfarn, WaldschnepfeMoorbirkenwald, Schlucht- und Hangwälder
HofbieberMopsfledermaus, Schwarzstorch, Feuersalamander, TrollblumeQuellen
JesbergTannenbärlapp, Raufußkauz, GrauspechtMoore
JossgrundKreuzotter, Biber, Mopsfledermaus, RaufußkauzWaldwiesen
KirchhainGroße Moosjungfer, WespenbussardAuenwälder
KönigsteinRaufußkauz, Uhu, Lanzettblättrige Glockenblume, Gestreifte QuelljungferWaldbäche
LampertheimZiegenmelker, ZauneidechseDünen, Waldbäche
LangenMoorfrosch, Ziegenmelker, WaldschnepfeSandkiefernwälder
MelsungenGestreifte Quelljungfer, Luchs, SchwarzstorchQuellen, Stillgewässer
MichelstadtRaufußkauz, SperlingskauzMoore
NeukirchenWasserfledermaus, Waldschnepfe, Laubfrosch, FransenfledermausStillgewässer
NiddaLaubfrosch, Hirschkäfer, MopsfledermausStillgewässer
ReinhardshagenSchwarzstorch, Eremit, KranichHutewälder, Moor
RomrodSchwarzstorch, BechsteinfledermausWaldwiesen, Stillgewässer
RotenburgEdelkrebs, Zweigestreifte Quelljungfer, SchwarzspechtQuellen, Waldbäche
RüdesheimWildkatze, Eremit, Äskulapnatter, RentierflechteSilikatfelsen
SchlüchternBiber, Rotmilan, Haselmaus, FischotterWaldwiesen
SchottenKugelige Teufelskralle, RotmilanQuellen, Waldwiesen
WehretalFrauenschuh, Eibe, Wanderfalke, UhuFelsbänder, Felsklippen, Hangschutthalden,
WeilburgGelbbauchunke, Bechsteinfledermaus, Blauschillernder FeuerfalterTongruben, Steinbrüche
WeilmünsterGelbbauchunke, EisvogelStillgewässer
WeilrodWildkatze, Gelbbauchunke, Kleiner AbendseglerStillgewässer, Waldränder
WettenbergLaubfrosch, Feuersalamander, WildkatzeStillgewässer
WetzlarMittelspecht, Wildkatze, HaselmausQuellen
Wiesbaden-ChausseehausÄskulapnatter, WespenbussardSteinbrüche
WolfhagenEremitWaldwiesen, Hutewälder
LBL GIKleines Knabenkraut, Bienenragwurz, Breitblättrige Stendelwurz 
LBL KSHirschkäfer 

Regionale Unterschiede

Dabei unterscheiden sich die ausgewählten Arten als auch die Habitate zum Teil erheblich- je nachdem welches Forstamt man gerade besucht. Da Hessens Wälder so vielfältig sind, findet man eine Fülle an Arten. Während im Norden und Osten Hessens Schwarzstorch, Moore oder Libellen besondere Beachtung finden, wurden im trockenen und wärmeren Süden Mittelspecht, Wiedehopf oder die Äskulapnatter ausgewählt. Bei der Auswahl einer Art oder eines Habitats eines Forstamtes wird genau geschaut: gibt es besondere, seltene oder geschützte Vorkommen in unserem Forstamt? Welche davon sind typisch für die Region? Können Arten von Maßnahmen profitieren, die ursprünglich für eine andere Art durchgeführt wurde? Ein Teich für den Schwarzstorch hilft gleichzeitig vielen weiteren Arten wie Erdkröte, Bergmolch oder verschiedenen Libellenarten. Bäume, die im Umkreis einer Fledermauskolonie nicht mehr weiter genutzt werden, bieten einen hervorragenden Lebensraum für eine Vielzahl an Insekten. Oder die Fällung von Bäumen, die die Abbruchkante eines ehemaligen Steinbruchs beschatten - hier kann nicht nur der Uhu besser an seinen Brutplatz gelangen, auch Eidechsen freuen sich über ein Sonnenbad in luftiger Höhe.

Dokumentation und Kontrolle

Um einschätzen zu können, wo welche Maßnahmen sinnvoll sind, werden die Vorkommen der Patenschaftsarten und der Zustand der Patenschaftshabitate zukünftig aufgenommen und dokumentiert. Unser Förster notiert sich immer, wenn er einen Schwarzstorch im Wald oder auf den umliegenden Wiesen sieht. Zusammen mit seiner Kollegin, die Naturschutzprojekte im Forstamt koordiniert, zählt er in jedem Jahr wie viele Jungtiere im gut versteckten Nest im Wald sitzen. Je besser der Lebensraum für die Art, desto mehr breitet sie sich aus. Die gesammelten Informationen bieten die Grundlage für Maßnahmen und Projekte, die in den kommenden Jahren durchgeführt werden. Zusammen mit vielen weiteren Maßnahmen bilden sie die Grundlage für die Lokalen Naturschutzkonzepte die jedes Forstamt erstellt.

Aber zurück zu unserem Waldteich: Unser Förster ist zufrieden mit der Arbeit des Baggers. Neben einer tieferen Wasserzone gibt es auch einige flachere Bereiche in denen sein Schützling, der Schwarzstorch, zukünftig herumstreifen kann um Nahrung zu finden. Er verabschiedet sich vom Fahrer und erkundigt sich, wo dieser als nächstes Arbeiten wird. Tatsächlich fährt er zu seinen Kollegen ins Nachbarforstamt. Dort soll er Erde aus verschlammten Gräben im Wald räumen. Das Nachbarforstamt hat eine Patenschaft für Auwälder und hofft, so die ursprüngliche Wasserdynamik wieder in Schwung zu bringen!

Schlagworte zum Thema