In den Eichenbeständen des Forstamtes Darmstadt ist derzeit wieder der Eichenprozessionsspinner (EPS) aktiv. Der unscheinbare Nachtfalter und seine Raupen sind in ganz Hessen verbreitet – und können für Waldbesucherinnen und Waldbesucher sowie für Haustiere eine Gesundheitsgefahr darstellen. Das Forstamt Darmstadt warnt daher zur Vorsicht und gibt wichtige Hinweise für den Aufenthalt in betroffenen Bereichen.
Gesundheitsrisiken für Menschen und Haustiere
Die Gesundheitsrisiken gehen von den feinen Brennhaaren der Raupen aus, die das Nesselgift Thaumetopoein enthalten. Bereits bei leichter Berührung oder durch Wind können diese Haare abbrechen, sich in der Luft verteilen und mehrere Meter weit fliegen. Auch in alten, verlassenen Gespinstnestern bleiben sie über Jahre infektiös. Je nach Intensität des Kontakts kann es zu unterschiedlichen Beschwerden kommen. Typisch sind Hautreaktionen wie starker, mitunter tagelanger Juckreiz, Rötungen, Quaddeln und Bläschen. Beim Einatmen der Haare können Husten, Bronchitis oder im schlimmsten Fall Asthmaanfälle und ausgeprägte Atemnot auftreten. Gelangen die Brennhaare in die Augen, sind schmerzhafte Bindehautentzündungen und Entzündungen des Augeninneren möglich. Auch Haustiere, insbesondere Hunde, sind gefährdet, wenn sie im Gras stöbern oder an Gespinstnestern schnuppern.
„Der harmlose Eindruck der flauschigen Raupen trügt. Schon ein kurzer Kontakt mit den unsichtbaren Brennhaaren kann zu ernsthaften Beschwerden führen. Bitte bleiben Sie im Umfeld von Eichen wachsam und halten Sie Abstand.“, betont Forstamtsleiter Hartmut Müller vom Forstamt Darmstadt.
Was Waldbesucher jetzt beachten sollten
Waldbesucherinnen und Waldbesucher sollten beim Spaziergang bewusst auf Raupen und Gespinstnester des Eichenprozessionsspinners achten und diese auf keinen Fall berühren. Befallene Bäume sowie Bereiche mit Warnschildern oder Absperrungen sollten gemieden werden. Zum vorbeugenden Schutz empfiehlt es sich, lange Kleidung zu tragen und den Nacken zu bedecken. Kommt es dennoch zu einem möglichen Kontakt, sollte die Haut nicht gekratzt und die Kleidung umgehend gewechselt und bei hoher Temperatur gewaschen werden. Außerdem sollten Körper und Haare gründlich gereinigt werden. Bei Atemnot oder starken Beschwerden ist ärztliche Hilfe erforderlich.
Maßnahmen des Forstamts und Grenzen der Bekämpfung
Im Wald wird der Eichenprozessionsspinner als sogenannte „waldtypische Gefahr“ eingestuft, weshalb eine flächendeckende Bekämpfung grundsätzlich nicht stattfindet. Zum Schutz der Waldbesucherinnen und Waldbesucher reagiert das Forstamt Darmstadt bei hoher Befallsdichte mit Warnschildern und im Extremfall mit temporären Wegesperrungen.
Außerhalb des Waldes, etwa in Parks oder an öffentlichen Gebäuden, kann durch die zuständigen kommunalen Behörden eine gezielte Bekämpfung veranlasst werden. Hier kommen spezialisierte Fachbetriebe zum Einsatz, die die Nester mechanisch absaugen. Das ungeschützte Abflammen von Nestern oder das Fällen befallener Bäume ist ausdrücklich nicht empfohlen, da dabei große Mengen Brennhaare unkontrolliert freigesetzt und verbreitet werden können.
Hintergrund: Der Eichenprozessionsspinner in Hessen
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) gehört zur Familie der Zahnspinner und besiedelt bevorzugt lichte, gut besonnte Eichenwälder, Waldränder und Alleen. Ursprünglich war er vor allem in den wärmeren Regionen Mitteleuropas verbreitet. Warme, trockene Winter und die insgesamt gestiegenen Temperaturen im Zuge des Klimawandels haben dazu geführt, dass hessische Wälder zunehmend zu einem attraktiven Lebensraum für diese Art werden. Die Weibchen legen ihre grau getarnten Eier im Spätsommer an dünnen Eichenzweigen in der Krone ab. Im folgenden Frühjahr schlüpfen die Larven und fressen an den Blättern der Eichenkrone. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sie die charakteristischen Brennhaare aus, die das Gesundheitsrisiko ausmachen. Im Juni und Juli verpuppen sich die Raupen in Gespinstnestern am Stamm oder an stärkeren Ästen, die häufig gut sichtbar sind.